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Am 10. Juni 1914 berichtete der Welzower Anzeiger: "Eine angenehme Unterbrechung erlitt die gestrige Gemeindevertretersitzung dadurch, dass gegen 6:15 Uhr (abends) eine Rumpler-Taube (Eindecker-Motorflugzeug) gesichtet wurde." Das war bereits das zweite Mal, dass eine "Flugmaschine" Welzow überflog. Das erste Mal war es am 14. Oktober 1909. Edmund Rumpler hatte schon 1908 mit einer "Anstalt für Luftfahrzeugbau" in Berlin - Flugplatz Johannisthal - den Trend der Zeit erkannt und mit dem Bau von Motorflugzeugen in Lizenz (z. B. Flugzeuge von Etrich) begonnen. 1911 war das erfolgreichste Flugzeug in Deutschland die Rumpler-Taube. Mit ihr wurden damals alle deutschen Flugrekorde aufgestellt.


Otto Lillienthal, Ingenieur und von der Faszination Fliegen begeistert, war einer der wichtigsten Wegbereiter der Flugtechnik. In langjährigen Versuchen erforschte er, bis zu seinem tödlichen Absturz 1896, die physikalischen Bedingungen für das Fliegen ohne Motor. Lillienthal war es auch, der den Flugapparaten den Namen "Flugzeug" gab.


Nach dem ersten Weltkrieg wurde in Welzow, inzwischen zum Industriestandort gewachsen, nach Voraussetzungen gesucht, um das Fliegen zu verwirklichen. Die ersten nachweisbaren Aktivitäten gehen auf das Jahr 1928 zurück."Der Pilot Erich Riehm", so schrieb Hermann Schneider in seiner kleinen Chronik über Welzow, "veranstaltete auf dem Bahnsdorfer Platz bei Welzow für die Welzower Bevölkerung Passagierflüge." Diese konnten jedoch nur erfolgen, nachdem ein geeignetes Rollfeld für Start und Landung gefunden und hergerichtet worden war.


Riehm flog einen zweisitzigen Tiefdecker mit einem 20 PS-Motor von Mercedes Benz. Das Flugzeug wurde ab 1926 mit über 600 Stück in der "Klemm Leichtflugzeugbau GmbH" in Stuttgart Böblingen gebaut. Unter dem 07. Juli 1929 steht in Hermann Schneiders Chronik: "Bei Welzow, in der Kolonie Bahnsdorf wird ein Volksflugtag abgehalten.


Dort gab es einen Fallschirmabsprung, auch Segelflüge und ein Tagfeuerwerk." In der selben

Chronik ist unter dem 13. September 1929 zu lesen: "Der bekannte Kunstflieger Udet erscheint (mit seinem Flugzeug, die Verfasser) über Welzow. Zwei rote Doppeldecker kreisen über dem Verwaltungsgebäude der Eintracht". Uders Bordmonteur ist der Sohn des hiesigen Hausmeisters Baier..."


Am 07. November des gleichen Jahres fanden erneut Rundflüge und Fallschirmabsprünge statt. Ab 1930 betätigte sich der Deutsche Luftsportverband (DLV) mit Motor- und vor allem Segelflugzeugen auf dem Flugplatz. Bereits am 25. Juni 1933 wurde in Welzow eine "Luftfahrt-Werbewoche" durchgeführt. Dem gleichen Zweck diente Ende Juli eine Wanderflugschau mit dem Thema "Motor- und Segelflugtage". Als Fluglehrer war, bis zu seinem Absturz mit Todesfolge, Paul Schneider tätig.


Bekannte Welzower wie Kurt Lindner, Franz Michallek, Arthur Büchner, Christian Greschow, der zugezogene Fritz Lichtenberger u. a. bemühten sich erfolgreich um die Entwicklung des Flugsports. Nachdem schon im Juni einige Flugzeuge anläßlich des "Deutschlandfluges 1934" Welzow überflogen hatten, kam es am 24. Juli zur Einweihung der Flugzeughalle am Lindchener Weg und zur Taufe von 12 Segelflugzeugen. Gleichzeitig fand ein Großflugtag statt. Vier Wochen später, am 26. August 1934, wurde erneut ein solcher Tag auf dem Flugplatz veranstaltet. Die Fliegerstürme der Gruppe 3 marschierten auf. Den zahlreichen Gästen wurden Kunstflüge, Fallschirmabsprünge und Rundfahrten mit dem Luftschiff D-NP 30 geboten.


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